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Bluthochdruck: Fakten, Irrtümer und was Sie dagegen tun können

Chronischer Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, gilt als Volkskrankheit: Man schätzt, dass bis zu 10 Millionen Menschen in Deutschland davon betroffen sind. Bluthochdruck kommt schleichend und kann unbehandelt auf lange Sicht zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen. Deshalb ist es wichtig, die Symptome zu kennen und den Blutdruck regelmäßig messen zu lassen. Doch woran erkennt man Bluthochdruck? Stimmt es, dass nur ältere und übergewichtige Menschen betroffen sind? Und wie kann man den Blutdruck senken? Wir klären die Fakten – und räumen mit gängigen Mythen auf. 

Systole, Diastole, Blutdruck: Das passiert im Körper

Das Herz transportiert sauerstoffreiches Blut von der Lunge in alle Körperregionen. Manchmal legt das Blut einen weiten Weg zurück: Deshalb muss das Herz ordentlich pumpen, was sich auch als Puls bemerkbar macht. Der Herzmuskel zieht sich zusammen und erzeugt einen Druck, um Blut aus der Herzkammer zu pressen. Diesen oberen Blutdruckwert bezeichnen wir als Systole. Danach entspannt er sich wieder und der Druck nimmt ab, damit Blut in die Kammer strömen kann. Diesen unteren Blutdruckwert nennen wir Diastole.

Der Blutdruck eines gesunden Menschen schwankt im Laufe des Tages. Im entspannten Zustand sinkt er, bei Anstrengung steigt er: Das ist ganz normal. Erst, wenn der Blutdruck in den Arterien konstant hoch ist, sprechen wir von Bluthochdruck.

Stress, Übergewicht, Gene: Woher kommt Bluthochdruck?

Die Medizin unterscheidet Bluthochdruck in primär und sekundär. Eine primäre Hypertonie liegt in ca. 90 Prozent der Fälle vor. Konkrete Ursachen sind nicht bekannt. Wir können aber davon ausgehen, dass bestimmte Faktoren den primären Bluthochdruck begünstigen. So sind beispielsweise Frauen in den Wechseljahren häufig betroffen.

Primärer Bluthochdruck – Risikofaktoren:

  • Genetische Veranlagung
  • Alter (Frauen ab 65 Jahren, Männer ab 55 Jahren)
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Kalium-Mangel
  • Rauchen
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Hoher Salzkonsum
  • Stress

Die sekundäre Hypertonie tritt vergleichsweise selten auf – ausgelöst durch weitere Erkrankungen.

Sekundärer Bluthochdruck – Ursachen:

  • Nierenerkrankungen (z. B Verengungen an den Nierenarterien, chronische Nierenleiden)
  • Gefäßkrankheiten (z. B. Verengung der Hauptschlagader)
  • Stoffwechselstörungen (z. B. Cushing-Syndrom)
  • Medikamente (z. B. Anti-Baby-Pille, Rheumamittel)
     

Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass Bluthochdruck eine Alterserscheinung ist oder nur bei Menschen mit Übergewicht auftritt. Darüber hinaus spielen aber auch genetische Veranlagungen, Stress und ein ungesunder Lebensstil eine Rolle. Fakt ist: Auch jüngere und normalgewichtige Menschen können Bluthochdruck haben. 

+++ Magazin-Artikel "Stress: Symptome und Folgen von Stress auf Körper & Psyche" lesen +++

Bluthochdruck erkennen: Das sind die Symptome

Viele Betroffene schöpfen erst dann Verdacht, wenn ernsthafte Beschwerden auftreten. Warum untersuchen lassen, wenn man sich fit und gesund fühlt? Ein Trugschluss: Denn Bluthochdruck kann lange Zeit unbemerkt bleiben und ist gerade deshalb so gefährlich. Kardiologinnen und Kardiologen sind sich einig: Wenn man den Bluthochdruck früh erkennt, kann man ihn gut behandeln. Deshalb sollte jede(r) ab 40 Jahren mindestens einmal jährlich zum Blutdruckmessen. Ab 50 Jahren sogar alle 6 Monate.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Symptomen, die auf einen erhöhten Blutdruck hinweisen können. Dazu zählen:

  • Gesichtsröte
  • Kopfschmerzen am Morgen
  • Kurzatmigkeit
  • Müdigkeit
  • Nasenbluten
  • Nervosität
  • Ohrensausen
  • Schwindelgefühl
  • Übelkeit

Ein roter Kopf deutet nicht immer auf einen erhöhten Blutdruck hin. Nicht alle Betroffenen erröten bei Aufregung. Und diese Auflistung ersetzt nicht den Gang zur Ärztin/zum Arzt. Im Zweifel lassen Sie sich lieber einmal mehr untersuchen.

Blutdruckwerte: Ab wann wird es kritisch?

In der Regel messen Ärztinnen und Ärzte den Blutdruck kurz im Ruhezustand. In bestimmten Fällen kann auch eine 24-Stunden-Messung nötig sein. Die Maßeinheit für den Blutdruck ist mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Ein Messwert von 120/80 („120 zu 80“) bedeutet daher, dass der systolische Blutdruck bei 120 mmHg und der diastolische bei 80 mmHg liegt.

Bei der Blutdruck-Messung gelten folgende Werte:

Ideal: bis 120/bis 80
Normal: 120-129/80-84
Hoch-Normal: 130-139/85-89
Leichter Bluthochdruck: 140-159/90-99
Mittelschwerer Bluthochdruck: 160-179/100-109
Schwerer Bluthochdruck: ab 180/ab 110

Der Grenzwert vom normalen zum erhöhten Blutdruck liegt bei 140/90 mmHg.

Blutdruckwerte messen: Das sollten Sie beachten

Die Blutdruckmessung zählt zu den hausärztlichen Routineuntersuchungen. Die Pflegekraft legt Ihnen eine Druckmanschette um den Oberarm und pumpt diese auf etwa 200 mmHg auf. Dann lässt sie langsam die Luft aus der Manschette und kann mit dem Stethoskop über die Ellenbeuge Strömungsgeräusche hören. Diese markieren den systolischen und diastolischen Blutdruck. 

Wenn Sie Bluthochdruck haben, müssen Sie auch selbstständig Ihre Werte messen. Lassen Sie sich die Methode von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zeigen.  

Weitere Tipps für die Blutdruckmessung zuhause:

  • Nur keine Eile: Entspannen Sie sich mindestens 5 Minuten vor dem Messen.
  • Legen Sie die luftleere Manschette in Herzhöhe an.
  • Keine Bewegungen: Bleiben Sie während der Messung ruhig sitzen.
  • Wenn Sie sichergehen wollen: Messen Sie zweimal in Folge, mit einer Pause dazwischen.
  • Notieren Sie die Messwerte und bringen Sie diese zum nächsten Arztbesuch mit.

Blutdruck senken: Das können Sie tun

In erster Linie gilt: Vorbeugen ist die beste Medizin. Bewegen Sie sich täglich. Vermeiden Sie langes Sitzen ohne Unterbrechung. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt, während eines langen Bürotages öfter vom Schreibtisch aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Noch besser ist es, wenn Sie mehrmals pro Woche eine halbe Stunde Sport treiben – vorzugsweise Kardiotraining.

Viele glauben, dass Blutdruckpatientinnen und -patienten sich besonders schonen müssen. Auch das ist ein Mythos: Die besten Behandlungserfolge zeigen sich, wenn Sie die Medikamente mit ausreichend Bewegung kombinieren. Das bedeutet nicht, dass Sie einen Marathon laufen oder täglich ins Fitnessstudio müssen. Schwere Gewichte zu stemmen ist tatsächlich keine gute Idee, weil die Blutdruckwerte dann zu schnell ansteigen können. Aber ein halbstündiger Spaziergang am Tag kann schon sehr wirkungsvoll sein. 

Bleiben Sie mit Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking in Bewegung. Yoga und autogenes Training unterstützen den Stressabbau und helfen, den Blutdruck natürlich zu senken.

Ausgewogen und gesund statt fettig und übersalzen: Auch die richtige Ernährung hält den Blutdruck konstant. Setzen Sie auf einen mediterranen Speiseplan:

  • Obst und Gemüse zu jeder Mahlzeit (ein Salat als Beilage, Früchte zum Dessert)
  • Vollkornprodukte (Vollkornbrot, Haferflocken)
  • Mehr pflanzliche Fette (Olivenöl, Leinöl), weniger tierische Fette
  • Fettarme Milchprodukte (Hüttenkäse, Magerquark)
  • Salzarme Lebensmittel

Genießen Sie den Kaffee am Morgen und das Gläschen Wein am Abend – solange es in Maßen bleibt. Und verzichten Sie möglichst aufs Rauchen. Ihr Herz wird es Ihnen danken.

 


 

Bild: istockphoto.com | Zinkevych

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